Gasthof zur Linde Isingheim

GastwFrzBruderDies ist kein übertriebener und unbegründeter Hinweis: Oh durstiger Wanderer im Sauerland, wehe du gehst ohne Verpflegung durch unsere Dörfer und verlässt dich auf eine Gaststätte im Ort. Versichere dich rechtzeitig, ob sie noch ihre Tür für dich geöffnet hat! Glückauf

In den letzten Jahrzehnten haben in unseren Dörfern zahlreiche Gaststätten aufgegeben, für immer geschlossen. Mit ihnen ist ein gutes Stück dörflicher Kultur und Lebensweise verloren gegangen. Die Kneipe diente immer als ständig nutzbares Kommunikationszentrum der Dorfbewohner. Sie war gleichzeitig Tauschbörse von Informationen und gleichermaßen ein Ort, wo bei einem guten Tropfen Geschäfte abgeschlossen wurden. Sie war Treffpunkt für Generationen, verband Jung und Alt. Sie diente zur Förderung der Geselligkeit und der Unterhaltung. Der Gastwirt selbst war nicht nur Dienstleistender, er erfüllte eine soziale Funktion im Dorfleben. Und das stets zu zivilen Preisen, die sich seine Gäste in Maßen leisten konnten.
Die Kiste Bier aus dem Supermarkt, Fernsehen und Internet haben der guten alten Dorfkneipe den Rang abgelaufen und vielfach den geselligen Teil des Lebens auf die häusliche Couchgarnitur verlegt. Einstmals volle Gasträume sind oft an normalen Arbeitstagen wie leergefegt. Nur am Wochenende steht der Wirt nicht gänzlich umsonst hinter seinem Tresen. Viel Enthusiasmus wird vom Gastgebenden abverlangt, soll er sein Haus den Gästen stets geöffnet halten. Beim Generationswechsel zeigt sich deshalb, ob auch die Jugend den Beruf ihrer Eltern fortführen will.
„Wir machen nicht weiter.“ So hörte man schon in Obersalwey, Kückelheim, Obermarpe, Frielinghausen, Friedrichstal und auch in Cobbenrode wohl nicht zum Letzten mal. Eine Frage der Zeit ist es wohl, dass weitere Dorfgaststätten für immer schließen.

„Ist der denn noch auf?“

Eine Frage, die oft auch in Bezug auf den Gasthof „Zur Linde“ in Isingheim gestellt wurde. Erst recht aber, nachdem Wirtin Hanne Stratmann gestorben war. Doch bis zu ihrem Tode war die kleine Gaststätte noch ständig zu festen Zeiten geöffnet. Franz Stratmann lässt es sich auch heute, im hohen Alter von über 80 Jahren nicht nehmen, zu besonderen Anlässen und am Wochenende die Tür zum Schankraum zu öffnen. Die Freude an seinem Beruf ist seine Triebfeder, aber auch das Festhalten an Traditionen zeigt sich in seinem Bemühen, den Gasthof, der eine über hundertundfünfzigjährige Geschichte hat, noch nicht zu schließen. Doch schon jetzt steht fest, dass kein Nachfolger in seine Fußstapfen tritt, so wie es Franz Stratmann 1952 tat, als seine Eltern, die Mutter Hedwig, geborene Bruder (1896-1971) und der eingeheiratete, aus Herhagen stammende Vater Fritz Stratmann (1902-1983), ihm den „Tewes“ Hof mit Gaststätte in Isingheim übertrugen. Franz hält seitdem die wechselvolle Geschichte des Hofes und der Menschen, die auf ihm lebten und arbeiteten in Ehren, so lange wie es ihm vergönnt ist.

Halten wir Rückschau:

Erwähnt wird „Tewes“ Hof bereits in der Schatzung von 1536. Peter Theuns zahlte einen Goldgulden. Der Besitz war ein Unterhof des Haupthofes Schulte zu Hengsbeck als ein Lehen der Propstei Meschede. Die Besitzer in den nachfolgenden Generationen nannten den Beruf des Ackermannes. Erst der 1830 auf „Tewes“ Hof geborene Franz Nöcker, dessen Vater aus dem nahe gelegenen Oedingen eingeheiratet hatte, nannte sich als Hoferbe erstmals Gast- und Landwirt. Deshalb ist zu vermuten, dass Franz Nöcker die Gaststätte in Isingheim um 1850 erstmals eröffnete. Die Anfänge waren sehr bescheiden, zumal sich der eigentliche Schankraum im Erdgeschoss des Hauses, später als Viehküche genutzt, befand. Deshalb baute Nöcker bereits 1870 das Gebäude weiter aus und ergänzte es um einen Anbau. Der neue Hauseingang befand sich danach unmittelbar an und ebenerdig zur schon damals viel befahrenen Koblenz- Mindener Chaussee, der heutigen Bundesstraße 55. Der neu eingerichtete Schankraum, nur 25qm groß, wird noch heute als solcher genutzt und bietet gerade wegen seiner Enge eine besondere Atmosphäre. Die Beherbergung von Gästen stand damals im Vordergrund. So schaffte Franz Nöcker Raum für mehrere Fremdenzimmer und stellte im Erdgeschoss seines Hauses einen Stall zur Verfügung, in dem die Reisenden ihre Pferde unterstellen konnten.
Nöcker starb 75- jährig im Jahre 1905, wohl kinderlos. Seine Witwe Josefine, eine geborene Kaiser aus Schliprüthen, wird noch kurze Zeit mehr schlecht als recht die Bewirtschaftung aufrecht erhalten haben. Sie starb am 03.07.1911 in Wintersohl (Werdohl).

Bereits am 18.07.1911 erhält Landwirt Franz Bruder zu Isingheim die Genehmigungsurkunde, wonach er gemäß der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich und unter Beachtung der polizeilichen Vorschriften auf „Tewes“ Hof eine Gast- und Schenkwirtschaft betreiben darf. Er hat für eine dauernd gute, möglichst fließende Spülung der Schankgefäße Sorge zu tragen und den Platz vor dem Hause durch Anbringung einer Laterne über der Haustür zu erleuchten.
Franz Bruder, 1861 in Erflinghausen geboren, hatte als Zwanzigjähriger die neun Jahre ältere Witwe und Hoferbin Therese Dünnebacke auf Kniefels Hof in Isingheim geheiratet. Er muss ein zielstrebiger Mann gewesen sein, denn kurz nach seiner Einheirat erwarb er von Wiemhöfer die Mühle in Isingheim, die er 1901 baulich erweiterte und darin Knochen mahlte. Das Knochenmehl war ein begehrtes Düngemittel in dieser Zeit, welches ihm ein gutes Einkommen bescherte. Wohl so viel, dass Franz Bruder in der Lage war, seine Konkurrenten auszubooten als im Gasthaus der verstorbenen Eheleute Nöcker die Versteigerung von „Tewes“ Hof nebst Gaststätte stattfand.
Bruder zog alsdann mit seiner Frau und den zwei gemeinsamen Töchtern im Teenageralter, Maria und Hedwig, von Kniefels auf den neu erworbenen Hof um. Er machte Platz für seinen Stiefsohn Anton Fischer, dem ältesten Sohn aus der ersten Ehe seiner Ehefrau, die diesem am 20. Januar 1913 Kniefels Hof zu Eigentum übertrug.

Die Familie Bruder brachte den Tewes Hof gehörig in Schwung und ergänzten ihr Einkommen durch ein Kolonialwaren- Lädchen mit Poststelle, wofür kurzerhand ein Fremdenzimmer umgestaltet wurde. Die Tochter Hedwig, später verheiratet mit Fritz Stratmann, führte diesen Laden mit Leidenschaft. Verkauft wurden dort alle wichtigen Dinge, die ein Haushalt auf dem Lande damals benötigte. Anfang der fünfziger Jahre, den „Wirtschaftwunder“-Jahren, als der Konsum in der Bevölkerung wuchs und das Angebot des kleinen Ladens nicht mehr dem Trend der Zeit entsprach, wurde dieser Erwerbszweig geschlossen. Sommergäste wurden bis 1960 beherbergt und die Poststelle zum 30.06.1969 geschlossen.

Die Zeit hat sich gewandelt, doch aus Stratmanns kleiner Gaststube, sind wie ehedem fröhliche und bierselige Klänge zu vernehmen. Franz Stratmanns Gäste bevorzugen heute weniger alkoholreiche Getränke. Brauner Korn war damals das gefragteste Getränk. Dieser wurde von der Schnapsbrennerei Niemöller, Gütersloh, in 100 Liter- Fässern aus Holz angeliefert. Stratmanns Kundschaft benötigte gerade mal vier Wochen, um so ein Fässchen zu leeren. Noch heute hängt die Schnapspumpe als Requisit im Schankraum. Mit deren Hilfe wurde das promillestarke Gebräu direkt vom Fass in die Gläser gefüllt.
Weniger nennenswert war dagegen der Bierkonsum. Ein 30 Liter-Fässchen DAB- Bier reichte über einen langen Winter. Erst nach dem Krieg kam das Pils in Mode, welches Stratmann 1951 von der Warsteiner Brauerei bezieht. Für seine Jahrzehnte währende Treue wurde der Gasthof zu Linde von der Brauerei ausgezeichnet.
Aber über ein Jahrhundert lang schätzt die Kundschaft den „August mit dem Schlips“, ein würziger Kräuterlikör mit 38 „Umdrehungen“. Dieser, bereits 1904 auf der Weltausstellung in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnete Tropfen, wurde von der Dortmunder Schnapsbrennerei Krämer direkt ins Sauerlanddorf Isingheim geliefert. Und dem Wahlspruch dieser alten Brennerei schließt sich Franz Stratmann schmunzelnd an: „Beim Umgang mit geistigen Getränken braucht man mehr als Rechenkünste, bauchige Flaschen oder blauschwarze Krammetsbeeren. Es erfordert des ganzen Menschen, Fleiß und Ausdauer, Lauterkeit und Redlichkeit und vor allem jenen Reichtum an Ideen, wie er schöpferischen Kräften zu Eigen sein muss“.

Kneipe2Text: Wilhelm Feldmann, Sallinghausen


One Response to Gasthof zur Linde Isingheim

  1. Hallo Benedikt,
    meinen Beitrag müsstest Du mal überarbeiten. Er ist nach so vielen Jahren in Bezug auf die zwischenzeitliche Entwicklung und auch was die Jahresangaben betrifft nicht mehr aktuell.
    Außerdem sind einige Schreibfehler darin, die ggfls. durch den Einsatz eines Texterkennungsprogramms entstanden sind. Sieht nicht gut aus.
    Ich habe im übrigen eine eigene HP im Aufbau. Diesen Bericht habe ich dort ebenfalls eingestellt. Wie gesagt: In überarbeiteter Form. Schau mal hinein:
    Adresse: http://www.wifeld.jimdo.com
    Vielleicht gefällt die HP Dir, würde mich freuen einen Kommentar dazu von einem diesbezüglich „alten Hasen“.
    Beste Grüße von Ort zu Ort und Haus zu Haus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *