SchneeProduktionWillingen

Schanzenchef Wolfgang Schlüter und sein „Co“ Andi Rohn in Klingenthal

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SC Willingen informiert sich am Wochenende in der Sparkassen Vogtland Arena über Schneeproduktion
mit „Snowfactory“

Vom 8. bis 10. Januar 2016 findet auf der Willinger Mühlenkopfschanze der FIS Skisprung Weltcup mit den
besten Skispringern der Welt statt. Eine Woche später steigt an gleicher Stelle der FIS Continental Cup (16./17.
Januar). Der Ski-Club Willingen unternimmt derzeit alles, um für die Veranstaltungen eine optimale Präparierung
der größten Großschanze der Welt zu erreichen. Wie schon in den Vorjahren stehen die Kontakte zu möglichen
Schneelieferanten in Neuss, Bremerhaven und Bispingen. Bis zu je 500 Kubikmeter Schnee noch bis zum 30.
Dezember sind kein Problem. Für das Belegen der Mühlenkopfschanze werden rund 4000 Kubikmeter Schnee
benötigt.

Eine zusätzliche Option ist das alpin und nordisch bewährte System „Snowfactory 100“ von der Firma
TechnoAlpin AG, die ihren Sitz in Bozen/Südtirol hat und einer der Weltmarktführer in Sachen
Schneeproduktionstechniken ist. Zur Vorbereitung des Weltcup-Auftakts in Klingenthal vom 20. bis 22. November
wurden schon vor knapp einem Monat in Kooperation mit dem Deutschen Skiverband (DSV) zwei „Snowfactory“-
Maschinen aufgestellt, die seither rund um die Uhr laufen. Schanzenchef Wolfgang Schlüter und sein Assistent
Andi Rohn haben sich jetzt in der Vogtland Arena mit den Verantwortlichen des VSC Klingenthal, Vizepräsident
Marcus Stark und Geschäftsführer Alexander Ziron, getroffen, um sich vor Ort zu informieren. „Die beiden
Maschinen arbeiten bis zu 15 Grad Celsius zuverlässig und produzieren täglich zusammen 200 Kubikmeter
Schnee“, berichtet Wolfgang Schlüter. Es habe bisher nur einen dreistündigen Ausfall wegen eines technischen
Problems gegeben. Natürlich sei bei den hohen Plusgraden auch wieder einiges an Schnee weggetaut, aber der
Berg Schnee an der Schanze in Sachsen sei beachtlich. Bis zum kommenden Dienstag geht die Produktion im
Auslauf der Sparkassen Vogtland Arena weiter, dann wird „Snowfactory“ als begehrtes System zur Vorbereitung
der Biathlon-Rennen „AufSchalke“ in Gelsenkirchen benötigt. Für den Fall, dass der Ski-Club Willingen nicht
ausreichend Schnee mit den eigenen Schneekanonen erzeugen kann, könnte der Traditionsverein aus dem
waldeckischen Upland vom 10. Dezember bis zum 4. Januar ebenfalls auf diese moderne Technik zurückgreifen
und ein „Snowfactory“ vom DSV anmieten. „Die Maschinen sind sehr gut“, so das Urteil des Willinger
Schanzenchefs Schlüter.

Andi Rohn beschreibt die Technik von Snowfactory: „Aus einem Kubikmeter Wasser erhält man zwei Kubikmeter
Schnee. Es gibt in den 13 Meter langen, zweieinhalb Meter breiten und drei Meter hohen Containern eine
Doppelwand, die Kühlflüssigkeit beinhaltet. Diese wird auf etwa 12 Grad unter Null runter gekühlt. Dann wird
neun Grad warmes Leitungswasser in den Zylinder eingespritzt, danach entsteht an der Innenwand eine
Eisschicht, die ständig mit einem scharfen Messer abgeschabt wird. Zu guter Letzt wird der fertige Schnee mit
einer Temperatur von acht Grad unter dem Gefrierpunkt auf einem großen Haufen im Auslauf der Schanze
gepustet. Das ganze muss man sich wie eine riesige Eistruhe vorstellen, die am Strom hängt.“

Außerdem haben die Willinger an der Eissporthalle ein großes Zelt (150 Quadratmeter) aufgebaut, um dort
Schnee zu sammeln. Mehrmals täglich entsteht etwa ein Kubikmeter Eis, wenn die Eismeister des Kurbetriebes
die Vorbereitungen für die nächste Laufzeit mit der Eismaschine durchführen. Auf diese Weise sollen bis Mitte
Dezember 100 Kubikmeter Schnee zusammen kommen, die für die Präparierung des Anlaufs an der
Mühlenkopfschanze benötigt werden. Eine weitere Alternative für den Ski-Club ist Biathlon „AufSchalke“. „Bis
zum 18. Dezember müssen wir entscheiden, ob wir 2000 Kubikmeter Schnee von dort kaufen wollen“, so
Weltcup-OK-Chef und Ski-Club-Präsident Jürgen Hensel. Dieser Schnee sei aber nicht mehr ganz so sauber und
könne somit „nur im Bereich ab dem Radius der Schanze bis zum Exit Gate am Ende des Auslaufs“ als
Unterlage verwendet werden.

Am liebsten ist es den Ski-Club-Verantwortlichen und den „Free Willis“ des Vereins, wie die vielen freiwilligen
Helfer beim Weltcup genannt werden, wenn der Wettergott ein Einsehen hat und endlich der Jahreszeit
angemessen kalte Temperaturen schickt. Beim ThemaWetterprognose kneift Wolfgang Schlüter ein Auge. „Wir
könnten Glück haben, denn ab dem 21. November werden frostige Temperaturen über einen Zeitraum von zwei
Wochen von minus einem bis zu knackigen minus fünf Grad sowie Schneefälle vorausgesagt“, so der
Schanzenchef. Das wäre für den Ski-Club Willingen als Weltcup-Veranstalter mehr als die halbe Miete in Sachen
Vorbereitungen auf die internationale Wintersportveranstaltung im Strycktal. Sobald das Thermometer
mindestens minus 2 Grad anzeigt, legen die „Schneemänner vom Mühlenkopf los.“ Am nächsten Freitag wollen
sie alles für den Großeinsatz vorbereiten. Dass dann ihre eigentlich geplante Reise mit einer Ski-Club-Delegation
zu den Weltcup-Wettbewerben nach Klingenthal für sie in Wasser fallen muss, können sie in dem positiven Fall
für den heimischen Weltcup verschmerzen. Die Arbeitskleidung, Handschuhe und Mützen legen sie schon
einmal raus. Den Freunden im Vogtland drücken sie alle Daumen, dass die vielen Mühen und Kosten im Vorfeld
des geplanten Weltcupstars am nächsten Wochenende belohnt werden und die Veranstaltungen
ordnungsgemäß über die Bühne gehen können.

Dieter Schütz – Weltcup-Pressechef